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Es könnte alles so leicht sein – eine Utopie



Ich stelle mir gerade vor, wie ich im Jahr 2030 etwas über die Schule im Jahr 2016 erzähle:


Die Utopie

Damals wurden tatsächlich noch von jeder Schülerin und jedem Schüler Geldbeträge in bar eingesammelt – eine nervenaufreibende und unterrichtszeitvernichtende Maßnahme. Heute läuft das zentral über Abbuchungsaufträge oder alternativ über Micropayment als App auf den Handys der Eltern. Der Klassenlehrer gibt einfach den gerade anstehenden Betrag und den Zweck in eine Maske ein und alle Eltern erhalten per App eine Nachricht. Anschließend bestätigen sie die Abbuchung einfach per Pin oder Fingerabdruck.

Auch die gefürchteten „Zettel mit Rücklauf“ gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Diese Informationen gehen schon seit Jahren per App auf das Gerät der Eltern, die den Erhalt bestätigen – alles natürlich mit automatischer Erinnerungsfunktion.

Terminplanung und Kalender? Natürlich sind alle Termine schon vor Schulbeginn in einem zentralen Kalender erfasst und aufeinander abgestimmt. Jeder kann mit seinem Mobilgerät die Termine synchronisieren, die sie oder er benötigt.

Damals gab es auch Paradoxien: Es wurden Zettel von der Schulleitung am Rechner erstellt, dann ausgegeben, ausgefüllt und schließlich zurück in den Rechner übertragen – meist schlicht „abgetippt“, z.B. bei der Schulanmeldung: Das ist heute Geschichte. Die Anmeldung und Datenerfassung läuft formal komplett über das Internet. Nach der Anmeldung schließen sich natürlich pädagogische Gespräche in der Schule an.

Das Verfahren ist in ähnlicher Form für unzählige weitere Vorgänge realisiert: Die Kurswahl in der Oberstufe, die Anwahl von Wahlpflichtkursen, die Bestellung und Abrechnung des Mittagsessens usw..

Partizipationsbereitschaft und Identifikation mit einer Schule sind in einem hohen Maße von Transparenz abhängig. Mit einer zentralen Lernplattform für den Informationsaustausch und die Bereitstellung wichtiger Formulare haben sich die Voraussetzungen für echte demokratische Strukturen an den Schulen in den letzten Jahren stark verbessert. Engagement kann jedoch immer noch nicht verordnet werden.

Aber jede Schule hat durch die Technisierung von Verwaltungsprozessen viel mehr Zeit für ihre eigentliche pädagogische Aufgabe. Schließlich geht es um den einzelnen Menschen.

Bei einigen Schulen unterstützen technische Verfahren mittlerweile sogar die Unterrichtsentwicklung. Einzelnen Fachschaften können gemeinsam online an schulbezogenen Arbeitsplänen arbeiten. In geeigneten Systemen lassen sich sogar Arbeitsmaterialien und didaktische Konzepte zu bestimmten Unterrichtsthemen hinterlegen.

Früher haben diejenigen mit dem geringsten Sitzfleisch aus den Fachschaften gerne einmal das schulinterne Curriculum per Copy&Paste aus Kerncurricula gestaltet – und diese Methode Schülerinnen und Schülern bei Referaten vorgeworfen. Heute kann sich jeder zu jeder Zeit mit einbringen – dank Versionierung auch völlig risikolos: Jeder Zustand ist per Klick immer wieder herstellbar.

Unnötig zu sagen, dass heute in jedem Klassenraum digital und drahtlos präsentiert werden kann und ein stabiles Internet zur Verfügung steht.“

Reflexion der Utopie

Technisch ist nichts davon utopisch. Alles kann schon heute genau so umgesetzt werden. Die Arbeit ist der Mensch, der diese Technologie für sich als Wert und Unterstützungsangebot erkennen und annehmen muss. Das Wort „muss“ mag dabei einengend wirken. Man könnte auf die Idee kommen, meine Utopien würden jedwede Kommunikation nur noch über Technologie abwickeln wollen.

Das ist nicht gemeint. In vielen Schulen, in denen ich tätig bin, nimmt das persönliche Gespräch einen hohen Wert ein. Für mich auch. Aber es ist die Frage, ob ich Zeit dafür verwenden möchte, einem nicht abgegebenen Zettel hinterherzulaufen, oder ob ich Zeit für meinen Unterricht benötige. Oder ob ich meine Zeit dafür einsetzen will, formale Vorgänge nachzusteuern. Mir sind pädagogische Gespräche oder Gespräche über Inhalte sehr wertvoll und nicht über Plattformen abbildbar. Dafür fehlt mir oft die Zeit, weil so viel Formales zu erledigen ist. Da kann Technologie vielleicht auf Dauer helfen.

Im Mittelpunkt des Technologieeinsatzes stehen pädagogische Ziele. Und wenn ich formuliere, dass z.B. Schülerinnen und Schüler auch selbstbestimmt ortsunabhängig lernen können sollen, sind bestimmte technische Vorgaben bereits gemacht.

Wenn ich hingegen formuliere, dass ich als Lehrkraft in jedem Klassenraum präsentieren können möchte, geht es mir nicht um Unterrichtsqualität, sondern um Bequemlichkeit. Dann mache ich meinen Unterricht und wechsle eben nur das Medium.

Daher wird sich diese Webseite lediglich „auch“ mit Technologie beschäftigen, aber im Wesentlichen mit dem Menschen, der mitgenommen werden muss auf diesem Weg.

Ich werde versuchen, Ihnen zwischendurch auch „einfache Lösungen“ und Beispiele für die konkrete Unterrichtsgestaltung zu zeigen, die aber immer Ergebnis von didaktisch-methodischen Überlegungen sind und es auch in Ihrem Medienbildungskonzept sein sollten!

Der Einsatz digitaler Medien ändert im Unterricht allein erstmal wenig.

Dabei werde ich sie im Rahmen dieser Webseite auch hin und wieder gezielt überfordern, wenn ich Sie vielleicht mit Themen in Berührung bringe, von denen Sie noch nie etwas gehört haben. Betrachten Sie es dann lediglich als Blitzlicht auf mögliche Denkrichtungen und gestehen Sie sich die Zeit zu, die es braucht, um in der Breite in die digitale Welt hineinzuwachsen.

Und seien Sie sich gewiss, dass diejenigen, denen Sie ihr Medienbildungskonzept angedeihen lassen wollen, dann genau so empfinden wie Sie, wenn ich andeute, was mit Big Data heute schon möglich ist.