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buch:kapitel02

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Was kommt da auf uns zu?

Wenn Sie eher pragmatisch orientiert sind oder sich leicht entmutigen lassen, sollten Sie besser gleich zum Kapitel 3 vorspringen, weil sich auf den folgenden Seiten vor allem ein unglaublicher Anspruch aufbauen wird.

Digitale Medien sind nicht mehr „neu“, obwohl in vielen Publikation immer noch von „neuen Medien“ die Rede ist. Digitale Medien sind mittlerweile über 20 Jahre „alt“. Vor 20 Jahren mögen sie zwar noch nicht so komfortabel und bunt gewesen sein, doch Messenger wie WhatsApp gab es z.B. „damals“ auch schon – mit ihren Vor- und Nachteilen. Nur wurden Sie meist von einem sehr engen und technikaffinen Personenkreis genutzt.

Digitale Medien sind in Deutschland aber noch bei Weitem nicht in der Breite in Schulen angekommen, wie das in anderen Ländern der Fall ist. Demnach besteht aus meiner Sicht hier ein gewisser Nachholbedarf, der in sich in Form eines Anspruchsberges hier auf den nächsten Seiten erhebt.

Begriffssalat entwirrt

Zentrale Begriffe wie Medienkonzept, Medienentwicklungsplan und Medienbildungskonzept werden zurzeit in verschiedenen Bundesländern noch unterschiedlich mit Bedeutung gefüllt. Durchzusetzen scheinen sich mittlerweile folgende Definitionen.

Medienkonzept

Ein Medienkonzept umfasst einen meist regionalen Medienentwicklungsplan und die dazugehörigen Medienbildungskonzepte der Schulen. Es ist quasi der Oberbegriff.

Medienentwicklungsplan

Ein Medienentwicklungsplan ist ein Konzept zur Ausstattung von Schulen in gemeinsamer Trägerschaft oder in einer Region.

Wenn Ihr Träger aktiv in die Medienentwicklungsplanung einsteigt, dann müssen Sie sich nicht mehr darum kümmern, Haushaltsmittel für die Ausstattung Ihrer Schule mit digitalen Geräten einzuwerben. Diese Haushaltsmittel stehen bereits über einen gewissen Zeitraum hinweg fest zur Verfügung.

Sie müssen nicht mehr Angebote für das einholen, was Sie sich wünschen – das macht der Träger für Sie entsprechend Ihren pädagogischen Vorgaben.

Der Träger stellt Ihnen im Rahmen seiner Medienentwicklungsplanung Menschen an die Seite, die sich um Pflege und Wartung der vorhandenen Geräte kümmern.

Der Schulträger wird aber auch im Rahmen von sogenannten Jahresinvestitionsgesprächen mit Ihnen gemeinsam die Anschaffungen des letzten Jahres und die der kommenden durchsprechen.

Ein Medienentwicklungsplan dient also primär dem Schulträger dazu, seinen Ausstattungs-, Verwaltungs- und Supportaufgaben gemäß der jeweils gültigen Vereinbarungen mit dem zuständigen Bundesland gerecht zu werden.

Er garantiert den Schulen verlässliche Unterstützung bei auftretenden Hardware- und Netzwerkproblemen, schränkt u.U. aber die Auswahl von Soft- und Hardware zugunsten einer besseren Wartbarkeit etwas ein, wobei eine sich entwickelnde Medienentwicklungsplanung sich immer auch an die Bedürfnisse der Schulen anpassen wird.

Medienentwicklungsplanung ist immer Aufgabe des Schulträgers in Absprache mit den von ihm betreuten Schulen. Die Voraussetzungen für ein wirksames Medienbildungskonzept sind durch einen vorhandenen Medienentwicklungsplan wesentlich besser.

Wenn in Ihrem Bereich jedoch die Medienentwicklungsplanung anläuft, sollten Sie bereit sein, sich an diesem Prozess zu beteiligen und ihn aufmerksam in der Presse verfolgen. Auch die Anwesenheit im Kultur- und Schulausschuss schadet nicht.

Medienbildungskonzepte

Medienbildungskonzepte werden an den Schulen entwickelt. Die Schule bestimmt nach Kriterien wie z.B.

  • didaktischen Erfordernissen
  • methodischen Entscheidungen
  • pädagogischen Anforderungen
  • curricularen Vorgaben

wie sie die Arbeit mit und über Medien in ihren schuleigenen Arbeitsplänen bzw. Hauscurricula verankert.

Eine ganz grobe Struktur für ein Medienbildungskonzept finden Sie hier.

Ein Medienbildungskonzept erleichtert oft die Argumentation gegenüber dem Träger, aber auch gegenüber Fördervereinen oder Sponsoren, wenn es um z.B. Beschaffung von Geräten oder der Ausstattung mit Netzwerktechnik geht. Es kann ein öffentlichkeitswirksames Instrument zur Darstellung der Schule sein. Auf Basis eines Medienbildungskonzeptes ist z.B. die Empfehlung von konkreter Hard- und Software durch entsprechend qualifiziertes Personal überhaupt erst möglich.

Auch wenn es auf anders praktiziert wird: Ein Lehrkraft ist Experte für didaktisch-methodische Prozess – nicht für Hardware oder Netzwerktechnik.

Von der Anwendungskompetenz zur Kollaborationskompetenz

Medienbildung besitzt in den meisten Publikationen fünf Dimensionen bzw. Kompetenzbereiche. Ich habe zu jedem Kompetenzbereich ein konkretes Unterrichtsbeispiel hinzugefügt – meist aus dem Fach Deutsch.

Dabei habe ich versucht, mich nicht auf klassische und allgemein übliche Verfahren zu beziehen und die Beispiele möglichst losgelöst von einem konkreten Produkt, Fach oder einer Hardwareplattform zu entwickeln.

Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren

Kompetenzen in diesem Bereich bilden oftmals die Grundlage für alle weiteren. In der Regel ist an jeder Schule schon in irgendeiner Form etwas verankert. Typische Formulierungen in schulinternen Curricula wären z.B.:

  • einen Text mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogramms ansprechend und nach typografischen Regeln gestalten
  • einfache Rechenoperationen und Visualisierung von Daten mit einer Tabellenkalkulation durchführen
  • Dateien auf einem Rechner mit Ordnern strukturieren
  • Grundfunktionen eines Betriebssystems kennen und anwenden
  • Datenschutzkonforme Nutzung von cloudbasierten Angeboten zur Zusammenarbeit
  • […]

Meist geht es in diesem Bereich im Rahmen eines Medienbildungskonzeptes eher darum, diese Kompetenzen in der Breite der Fächer verbindlich zu verankern. Oft muss auch einen Weiterentwicklung durch die Jahrgänge formuliert werden:

Während es in der 5. Klasse vielleicht noch ausreicht, einfache Formatierungsregeln in der Textverarbeitung zu vermitteln (z.B. Einzüge nicht mir Leerzeichen zu gestalten), sollten über die Jahrgänge Dinge wie Verzeichnisse, Fußnoten oder Formatvorlagen dazukommen.

Ein ganz einfaches Beispiel aus dem Bereich „Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren“ finden Sie hier.

Kommunizieren und kooperieren

Während die ersten beiden Kompetenzbereiche an vielen Schulen oft schon in irgendeiner Form abgedeckt werden, erscheint in meinen Beratungen der Bereich der Kommunikation und Kooperation oft als besondere Herausforderung. Das liegt vor allem daran, dass zur sicheren Umsetzung immens viel Wissen über die Möglichkeiten vorhanden sein muss, die das Netz zur Zusammenarbeit bietet: Wissen über Tools, Wissen über Datenschutz, Wissen über Urheberrecht. Auch nutzen viele Lehrkräfte das Internet meist eher konsumorientiert, um z.B. kostenlos an Unterrichtsmaterialien und aktuelle Texte zu kommen. Die wenigsten teilen tatsächlich von ihnen selbst erstellte Inhalte im Netz oder erschaffen reflektiert eine Netzpersönlichkeit von sich selbst. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den nächsten Kompetenzbereich der Präsentation und Produktion. Was ich nicht selbst tue, kann ich schlecht vermitteln.

Ein Deutschlehrer, der keine Texte ansprechend zu verfassen weiß und daran vielleicht sogar keine Freude hat, wird sich mit der motivierenden Vermittlung von Schreibprozessen eher schwer tun.

Auch die professionelle Nutzung sozialer Netzwerke ist bei vielen Lehrkräften oft ein Thema am Rande – in der Regel nutzt man Messenger wie WhatsApp eher zum Austausch innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises ohne das unglaubliche Potential zu sehen, was in dem Aufbau persönlicher Lernnetzwerke steckt.

Auch wenn sich einzelne Lehrkräfte in diesem Bereich auf den Weg gemacht haben, bleiben sie als Gruppe in Deutschland noch recht überschaubar.

Eine Vermittlung der Vorteile und Möglichkeiten, die dieser Kompetenzbereich für den Unterricht bietet, ist dadurch immens schwierig, da hier oft Lebensweltkonzepte aufeinanderprallen.

Deswegen ist es wichtig, in diesem Bereich behutsam vorzugehen und nicht zu viel auf einmal zu wollen.

Einen pragmatischen Ansatz zur schrittweisen Ausgestaltung dieses Kompetenzbereiches findest du hier.

Produzieren und Präsentieren

Diese beiden Bereiche lassen sich hervorragend verbinden, da jede medial gestützte Präsentation natürlich auch Produktionsprozesse voraussetzt.

„Die Schülerinnen und Schüler halten kurze Referate und präsentieren Arbeitsergebnisse strukturiert, stichwort- und mediengestützt.“ (Zitat aus einem Schulcurriculum Deutsch, 8. Klasse)

Dieses Zitat – eine 1:1 Kopie aus dem Kerncurriculum Deutsch des Landes Niedersachsen zeigt eigentlich das gesamte Dilemma: Das machen nämlich schon Grundschüler – zumindest hier bei uns in Niedersachsen. Ein „Medium“ ist schließlich auch eine Karteikarte oder ein Plakat. Kurze Referate werden in der Grundschule schon an der 3. Klasse gehalten.

Präsentation wird an Schulen oft synonym mit Powerpoint verwendet. Und wir kennen alle aus Fortbildungen und Veranstaltungen sehr schlecht gemachte Powerpointpräsentationen mit sehr schlecht gemachten Vorträgen. Wenn man den Kompetenzbereich der Präsentation und Produktion wirklich ernstnimmt, sollten m.E. folgende Fragestellungen eine Rolle spielen:

  1. Wie setze ich meine Stimme sinnvoll und ansprechend für die Zuhörenden ein?
  2. Wie unterstütze ich Gesagtes durch geeignete Medien und vermeide im Extremfall dabei, meine Folien oder Plakate lediglich vorzulesen?
  3. Wie mache ich meine Präsentation durch den Einsatz unterschiedlicher Medien für den Zuhörer interessant?

Im Anschluss an die Grundschule sollte also eine Weiterentwicklung des bereits Gelernten im Mittelpunkt stehen und zudem eine Progression durch die Jahrgänge erkennbar werden.

Grundsätze für eine gelungene Präsentation sind dabei teilweise auf die Erstellung eigener Medienprodukte übertragbar. Was in einer Präsentation der Wechsel von Medienformaten ist (Text, Video, Audio), ist im Film analog z.B. der Wechsel von Kameraperspektiven und -einstellungen.

Hier gibt es ein konkretes Unterrichtsbeispiel aus diesem Kompetenzbereich.

Analysieren und Reflektieren

Viele Lehrkräfte wissen wahrscheinlich nicht, wie man einen Wikipediaartikel richtig liest, geschweige denn, wie man strukturiert eine Suchmaschine bedient und ihre Möglichkeiten nutzt.

Aufgabe zur Entspannung: Suchen Sie mit Google doch einmal nach dem Ausdruck „x^3+1/x“ (ein beliebiger andere Term funktioniert ebenso)

Trotzdem ist – wie böse Zungen behaupten – vorwiegend freitags in der 6. Stunde der Computerraum für „Recherche“ belegt – werden in diesem Rahmen z.B. folgende Kompetenzen vermittelt?

  • Lesen und Beurteilen eines Wikipediaartikels
  • Formal korrektes Zitieren von Onlinequellen
  • (Weiter-)Verwendung von Bild- und Tonmaterial gemäß den geltenden Urheberrechtsbestimmungen
  • die Bedeutung der Creative Commons Lizenzen (vor allem CC0)
  • […]

Der Bereich Recherche ist keineswegs trivial, sondern setzt sehr viel Wissen rund um rechtliche Themen ebenso voraus wie ein Bewusstsein um die heutzutage generell leichte Manipulierbarkeit von Informationen – auch im Bereich der „klassischen“ Medien (Print oder Rundfunk).

Ein konkretes Unterrichtsbeispiel zum Lesen eines Wikipediartikels findest du hier.

Analysieren und Reflektieren

Dieser Kompetenzbereich ist ein schönes Beispiel dafür, dass Medienbildung - genau wie übrigens die Informatik - ganz ohne Technik und Netze funktionieren kann, wie dieses Beispiel zeigt.

Ich nenne jetzt stellvertretend für eine Vielzahl möglicher Fragestellungen in diesem Bereich einmal ein paar weitere Aspekte, mit denen sich eine Beschäftigung lohnt.

  1. Target, der zweitgrößte Discounteinzelhändler nach Walmart in den USA, nutzt die Auswertung Einkaufsverhalten von jungen Frauen zur Bestimmung des Schwangerschaftsmonats und in der Folge für zielgerichtete Werbung.
  2. Schülerinnen und Schüler fertigen heimlich Bild- und Tonaufnahmen von Lehrkräften im Unterricht, verarbeiten sie weiter und veröffentlichen das Ergebnis z.B. auf Socialmedia.
  3. Google und andere Dienste gewinnen Verkehrsdaten aus Bewegungsprofilen von Smartphones.
  4. Wahlen finden mittlerweile in der Welt teilweise EDV-gestützt statt.
  5. Demokratische Abstimmungen können u.U. durch gezielten Einsatz von Socialmediabots manipuliert werden - zumindest ist das ein denkbares technisches Szenario.
  6. Interessant sind auch immer wieder die herrlich dystopischen Essays von Evgeny Morozov.
  7. […]

Natürlich gehören in diesen Bereich auch noch weitere Fragestellungen wie z.B. Geschäftsphilosophie der Sharing Economy z.B. AirBNB (Wohnungsvermittlungsdienst) oder Uber (taxiähnlicher Fahrtenvernittler). Die Themen sind eigentlich in ihrer Breite kaum zu fassen, jedoch hochspannend, da im digitalen Raum zurzeit Werte und Grenzen komplett in einem zusätzlich globalisierten Kontext völlig neu ausgehandelt werden.

Das Medienbildungskonzept als Querschnittsaufgabe

„Da wird jetzt etwas von außen einfach über alle Fächer gestülpt, was nicht an ein Fachcurriculum angebunden ist und damit in einer Fachschaft durchsetzbar wäre.“ (stellvertretender Schulleiter eines Gymnasiums)

Als ich dieses Zitat in der Beratung einer Schule zu hören bekam, habe ich mich erst furchtbar geärgert, weil ich primär die Ablehnung eines Medienbildungskonzeptes wahrgenommen habe. Dabei hat dieser stellvertretende Schulleiter eigentlich alles verstanden:

  1. Medienbildung ist genau wie Sprachförderung Aufgabe aller Fächer.
  2. Medienbildung muss in den Hauscurricula jedes einzelnen Faches verankert sein.
  3. Medienbildung erfordert genau wie Sprachförderung eine enge Abstimmung zwischen den Fächern.
  4. Allein in einer Fachschaft ist erfolgreiche Medienbildung nicht zu implementieren.
  5. Fachschaftsübergreifende als oftmals strukturverändernde Arbeit ist eine immense Aufgabe (aus meiner
  6. Erfahrung: Gerade an Gymnasien mit ihrem ausgeprägten Fachlehrerprinzip!)

Neben der Verankerung in den Fächern kommen auch noch weitere Aspekte hinzu:

  • Organisation der Kommunikation an einer Schule (das betrifft natürlich auch das Verwaltungsnetzwerk)
  • Fortbildungskonzept für Lehrkräfte passend zur vorhandenen Hardware und deren didaktischen Einsatzmöglichkeiten.
  • Organisation der Zusammenarbeit mit dem Träger (Schulamt, technischer Support)
  • Organisation der Nutzerverwaltung im Schulnetzwerks
  • Das muss natürlich auch Auswirkungen auf die Aufgabenverteilung innerhalb des Schulleitungsteams haben
  • Bei großen Schulen ist die Schaffung entsprechender Stellen in diesem Bereich zu überdenken oder alternativ die Bereitstellung von Entlastungsstunden, was alles in bestehende Strukturen eingreift.

Das Medienbildungskonzept als „unleitzbare“ Anforderung

Schulen werden überhäuft mit der Anforderung sehr viele Konzepte zu erstellen. Hygeniepläne, Förderpläne, Arbeits- und Datenschutz, Prävention, Alarmpläne usw.. Diese Arbeit ist mit den bestehenden Ressourcen oft nicht sinnvoll zu erledigen, weswegen sich meist zwei Grundstrukturen ausprägen.

„Wir schauen, was andere Schulen so haben und passen das an! Dann stellen wir den Ordner ins Regal.“

„Wir machen was Eigenes, schreiben das auf und stellen den Ordner ins Regal. Dann nehmen wir uns das nächste vor.“

Das Ergebnis findet sich meist auf Homepages z.B. in Form von völlig veralteten Medienbildungskonzepten aus dem Jahre 2003. Das ist im Kontext der Anforderungen, die an Schule heutzutage gestellt werden, auch völlig nachvollziehbar.

Ein Leitzordner ist immer ein virtueller Haken im Geiste einer Schulleitung. Die Konzeptdichte explodiert vor allem in zeitlicher Nähe zur Schulinspektion – frei nach dem guten, alten Motto: „First fake it, then make it“.

Wenn man diese Struktur auf ein Medienbildungskonzept überträgt, kommt etwas „Leitzbares“ heraus, was mit ein wenig Pech genauso intensiv an der Schule gelebt wird wie ein Hygieneplan. Zusätzlich ist die technische Entwicklung immer noch in vollem Gang, sodass ein solcher Leitzordner sehr schnell wieder veraltet sein wird.

Medienbildung ist als solche immer noch sehr starkem Wandel unterworfen. Zusätzlich ist extrem schwer bestimmbar, wie künftige Entwicklungen aussehen werden. Das gilt sowohl für die Entwicklung im Hardwarebereich als auch bezogen auf gesellschaftliche Entwicklungen.

Deswegen ist die Entwicklung eines Medienbildungskonzeptes von starken Unsicherheiten geprägt: Es gibt kaum „gesetzliche Vorgaben“ oder klar in Curricula geregelte Vorgehensweisen. Die einzelne Schule ist damit alleingelassen.

Das sind ungewohnte, neuartige Strukturen, die oft Abwehr- und Selbstschutzmechanismen auslösen.

„Müssen wir das andauernd neu schreiben?“ „Kann man das denn überhaupt für einen Zeitraum x festlegen?“ „Dann sitzen wir das einfach aus, bis jemand etwas entwickelt hat!“

Das Dilemma lässt sich teilweise lösen, indem man das Medienbildungskonzept als „lernenden Text“ organisiert – das Konzept der Wikipedia, die damit auch sehr traditionelle gedruckte Enzyklopädien ersetzt hat.

Das kann z.B. in einem kollaborativen Dokument (Office 365, Etherpad, GoogleDocs, Ownclouddokument) geschehen oder aber auch in einem Wiki und der schuleigenen Lernplattform – wenn vorhanden. Dank Versionierung (man kann immer wieder zu jedem Bearbeitungsstand zurückkehren) ist auch das Risiko einer solchen Lösung überschaubar gering.

Wichtig ist, dass dieser Text von möglichst vielen Beteiligten immer wieder verändert, neu strukturiert und überarbeitet werden kann – zeit- und ortsunabhängiger Zugriff ist zusätzlich vor diesem Hintergrund sehr wichtig. Papier oder Dateien sind aus meiner Sicht hier keine geeigneten Medien.

Diese Organisationsform ist kein Garant für mehr Partizipation. Aber sie macht ein Angebot. Eventuell kann sie auch als trojanisches Pferd dienen, auch andere Konzeptentwicklungsprozesse so zu organisieren oder sogar kollaborative Dokumente im Unterricht selbst einzusetzen.

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